Das SEHER-Modell

 

Wie können wir den Willen eines Menschen mit schwerer Beeinträchtigung erfassen?

 

Und wie kommen wir zu einem Handlungsentscheid, wenn der Wille nicht mit unserem Gewissen vereinbar ist?

 

- und wie können wir den Willen nachvollziehbar dokumentieren?

 

Sie haben diese Fragen?

 

Wir hatten Sie auch.

 

Vielleicht können wir hier hilfreich sein.

 

Unsere Vorgehensweise orientiert sich an Erkenntnissen des Genomprojektes von 2019, Erkenntnissen aus der Neurobiologie, an einer Vorgehensweise von Prof. Tuffrey Wijne zur Erfassung von kognitiven Fähigkeiten und Lebenswissen in ihrem Buch "How to break bad news for people with intellectuall disabilities" und der Aussage einer Juristin:

Es kann nicht sein, dass ein rechtlicher Betreuer nur irgendwo ein Kreuzchen macht. Es muss nachvollziehbar sein, wie er den Willen seines Klienten erfasst hat, bzw. wie er zu dieser stellvertretenden Entscheidung kam. 

 

Seit einigen Jahren arbeiten wir an diesem Konzept. Puzzlestein für Puzzlestein kommen neue Erkenntnisse dazu. Hier der derzeitige Stand: Wir laden Sie ein, das SEHER-Modell auszuprobieren und uns Ihre Erfahrungen zu schildern. Sofern Sie etwas ändern bitten wir Sie, uns als Quelle anzugeben. Vielen Dank und wir freuen uns auf den Austausch. Mit besten Grüßen,

 

Barbara Hartmann und Myriel Gelhaus. 

 

Die 7 Schritte des SEHER-Modells - hier ein kurzer Überblick

 

Erster Schritt des SEHER-Modells: Erfassung des "Ich-Empfindens" und des möglichen Willens

 

Das SEHER-Modell ermöglicht in seinem ersten Schritt eine Erfassung der Person in ihrem sog. "Ich-Bild", das auch als Würdeempfinden bezeichnet werden kann. 

 

Zweiter Schritt des SEHER-Modells:

 

Der zweite Schritt zeigt Beispiele auf,  um ein ethisches Dilemma erkennen und formulieren zu können - falls vorhanden.

 

Der dritte bis siebte Schritt des SEHER-Modells:

 

Der dritte bis siebte Schritt ermöglicht durch seine klare Struktur:

 

a) eine Ideenfindung für das begleitende Team, wie der Wille des Kunden einheitlich umgesetzt werden kann. Der zweite Schritt fällt hier weg, da es sich in diesem Fall nicht um ein ethisches  Dilemma handelt. 

 

oder

 

b) inkl. Schritt 2, wie ein Dilemma z.B. zwischen dem Willen des Kunden und dem eigenen Anspruch Gutes zu bewirken und nicht zu schaden nachgekommen werden kann. 

 

Hinweis der Autorinnen: 

 

Eine Besonderheit im SEHER-Modell ist der erste Schritt zur Erfassung des Ich-Bildes der Person. Die Vorgehensweise lässt möglicherweise den mutmaßlichen Willen bereits sichtbar werden. 

 

Im Fall eines ehtischen Dilemma oder bei Zweifel des Willens können die weiteren notwendigen Schritte zur Klärung auch durch andere Instrumente zur ethischen Entscheidungsfindung ergänzt werden.  Wir haben uns für den "7 Schritte Dialog" von Lydia Rufer und Ruth Baumenn-Hölzle (2015): Mantelbüchlein Medizin&Ethik III; Schulthess Juristische Medien AG, Zürich, entschieden. Durch die  klare Strukturierung ist es für Teams leicht, um zu einer gemeinsamen Handlungsentscheidung zu kommen. Unsere Modifizierung besteht lediglich in Veränderungen von einigen Begrifflichkeiten. 

 

Material und kurze Hinweise:  (Stand Juli 2022)

Zum ersten Schritt:

Verteilen Sie diese Fragen im Vorfeld an Personen mit Kenntnissen zu Ihrem Kunden. Hier geht es zum download - für Sie gerne im Word-Format. So kann direkt in das Dokument geschrieben werden.
Erster Schritt Fragen Ich-Bild.docx
Microsoft Word-Dokument [193.6 KB]

 

 

 

 

 

 

Skizzieren Sie den Kunden/die Kundin auf einer Pinnwand mit Metapapier (alternativ Packpapier) und notieren Sie die Antworten entsprechend nach: So war es früher (Vergangenheit) - so ist es heute (Gegenwart) - das sagt die Person zur Zukunft. 

 

 

Im anschließenden gemeinsamen Gespräch mit z.B. dem rechtlichen Betreuer, Assistenzkräften und Gesprächsbegleiter:

Lesen Sie zum Einstieg die Antworten aus der Sicht des Kunden vor: 

"Ich heiße, ich bin ... alt. Früher war ich......, heute....., ich will mal......"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Vorgehensweise nimmt das Ich-Bild bzw. das Würdeempfinden der Person in den Blick (Bild links).

Ebenso die Verletzungen und Verluste (Bild rechts).

Fragen Sie sich: Gibt es Ressourcen, welche diese Verletzungen oder Verluste ausgleichen? Oder sind diese unwiderbringlich? Durch die Auzeichnung "So war es früher, so ist es jetzt" und evtl. getätigte Aussagen zur Zukunft, kann der mutmaßliche Wille der Person häufig erkannt werden. Diese Vorgehensweise kann für Angehörige und rechtliche Betreuer hilfreich sein. Oft gehen durch dieses Sichtbar-machen "die Augen auf". Lesen Sie zur Durchführung den ersten Schritt im folgenden Konzept "SEHER-Modell".

 

 

Das gesamte Konzept      Schritt 1-7

 

 

Klicken Sie hier zum download

Vorlagen zur Dokumentation

 

 

Hier erhalten Sie Vorlagen für eine:

Vertreterdokumentation

Protokoll des Fallgespräches

 

- ergänzen Sie diese mit einer Fotografie der

Aufzeichnung von Schritt 1.  

 

Tipp:

Formulierungshilfen zu Therapieoptionen finden Sie in den Textbausteinen der Patientenverfügung vom Bundesministerium. Klicken Sie hier

 

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